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3/8Segen und Fluch desLagerns

Neben Schutz und Wärme ist das Lagern eine weitere Grundfunktion des Wohnens. Vor 450.000 Jahren beginnen nicht-sesshafte Gemeinschaften, Nahrung und andere Rohstoffe in Basislager „nach Hause“ zu bringen. Mit Beginn des Ackerbaus vor 11.500 Jahren setzt auch die echte Lagerhaltung ein. Durch ein festes Zuhause war es nun möglich, Lebensmittel und Saatgut durch die Jahreszeiten hinweg aufzubewahren. Ebenfalls können nun Werkzeuge und Arbeitsmittel angefertigt und gelagert werden.

Neben dem Nützlichen werden auch Dinge mit persönlicher Bedeutung für den Besitzer aufgehoben. Wenn ein Einzelner mehr besitzt als andere, führt das zu sozialer Ungleichheit und Konflikten. Somit ist das Lagern Segen und Fluch zugleich.

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Das Bild zeigt eine menschliche Figur aus hellem Stein. Sie hat eine Art Rock an und stellt gebückt vor sich ein rundes Gefäß auf den Boden. Beide Hände halten das Gefäß gekippt. Vor der Figut stehen weitere Gefäße im Halbkreis.
Foto: Ägyptisches Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig, M. Wenzel.

Herkunft: Gisa, Ägypten
Datierung: 2500–2350 v. Chr., Altes Reich, 5. Dynastie
Leihgeber: Ägyptisches Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig

Satt im Jenseits

Gruben und Speicherbauten sichern die Getreideernte nicht nur als Nahrung, sondern auch für die nächste Aussaat. Eine kluge Vorratshaltung hilft, lange Winter oder schlechte Ernten zu überleben.
Im alten Ägypten gehört Getreide zu den Grundnahrungsmitteln. Nach der Ernte wird es in großen Silos gelagert. In der hierarchisch organisierten Gesellschaft der Ägypter wird die Ernte zentral verwaltet. Im Modell eines Getreidespeichers ist der Innenraum daher in den eigentlichen Speicher und einen Buchhaltungsbereich unterteilt.  
Auch im Jenseits braucht es gute Versorgung. Der Priester Djascha hat daher die Figur eines kornspeichernden Dieners mit ins Grab bekommen. 

Das Bild zeigt ein Hausmodell aus Ton von oben und ohne Dach. Es ist aufgeteilt in mehrere Räume. Man sieht kleine Figuren in weißen Gewändern, die etwas tragen oder mit Schriftstücken auf dem Schoß in einem Raum im Kreis sitzen. Es gibt auch eine geöffnete Tür.
Quelle: Metropolitan Museum of Art, New York

Dieses Stück erscheint in der Ausstellung nur im Bild.
Herkunft: Theben, Ägypten
Datierung: 1981–1975 v. Chr., Mittleres Reich, 12. Dynastie

Heimliche Mitesser

Durch Vorratshaltung konnten unsere Vorfahren auch längere Krisen und Dürrejahre überstehen. Gleichzeitig zieht sie aber auch Schädlinge an, die Vorräte vernichten und Krankheiten übertragen. Daher wurden bereits im alten Ägypten Haustiere wie Katzen zur Schädlingsbekämpfung gehalten. Ob die Erfindung der Mehrfach-Mausefalle nötig wird, weil sich die Nager so rasant vermehren oder weil die Hauskatzen zunehmend fauler werden, muss offenbleiben.

Herkunft: Berlin
Datierung: um 1900
Leihgeber: Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen

Das Bild zeigt einen länglichen Holzkasten mit fünf runden Löchern an der langen Seite. An der Oberseite sind Metallfedern angebracht, die sich über den Löchern befinden und an denen eine Metallschlinge befestigt ist. Alles ist verbogen und verrostet. Unter den Löchern sind Reste von Bindfäden zu sehen, die an kleinen Holzteilen befestigt sind.
Foto: SMB, Museum Europäischer Kulturen, U. Hirsch

Mindestens haltbar bis

Die Idee, Lebensmittel in luftdicht verschlossenen Gläsern einzukochen, trägt dem Konditor Nicolas Appert 1810 einen von Napoleon vergebenen Preis ein: Haltbare Lebensmittel sollen die Armee ernähren, ohne plündern zu müssen. Ausgerechnet ein Brite, Peter Durand, überlegt sich allerdings schon im selben Jahr, dass man zum Konservieren auch unzerbrechliche Blechkanister nutzen kann. Mit der Erfindung der Konservendose revolutioniert er die Vorratshaltung.
Ebenfalls einen militärischen Hintergrund hat eine aufschlussreiche Sammlung von Konservendosen aus Schloss Colditz. Das dort 1939 eingerichtete Oflag IVC, ein Kriegsgefangenenlager für Offiziere der Westalliierten, wird durch gewagte Fluchtversuche bekannt. Die in Fluchttunneln gefundenen Dosen belegen die gute Versorgung der Gefangenen.

Herkunft: Schloss Colditz, Sachsen
Datierung: 1943
Leihgeber: Landesamt für Archäologie Sachsen

In der Galerie sieht man verschiedene Konservendosen. An allen ist ein deutlicher Verfall bzw. eine deutlicheb Abnutzung zu erkennen. Dose Nr. 1 ist gelb und hat ein rotes Vierreck auf der Vorderseite. Oben steht "KLIM" in einer weißen Schrift. Darunter steht "powdered" in einer gelben Schrift. Nochmal darunter ist eine Art weißes Banner mit der Aufschrift "WHOLE MILK" zu erkennen. Die Schrift darunter ist nicht gut lesbar. Dose Nr. 2 ist komplett rot. Lediglich ein Vierreck auf der Vorderseite ist schwarz mit einer gelben Umrandung. Auf dem Vierreck steht in gelber Schrift geschrieben: "MAPLE LEAF CREAMERY BUTTER" Dose Nr. 3 ist gelb/rot mit jedoch vielen Rostflecken. "Corned" ist noch als Wort erkennbar. Am Boden bricht die Dose auseinander. Dose Nr. 4 ist ebenfalls gelb&rot mit kleineren Rostflecken. An dieser Dose befindet sich noch der Deckel. Dose Nr. 5 ist fast komplette verrostet. Man erkennt jedoch noch die blau/gelbe Farbe und einen roten Kreis, in dem "HoneyCo Honey" steht. Dose Nr. 6 hat eine andere Form, ist jedoch komplett verrostet. Hier ist gar keine Schrift mehr erkennbar.
Fotos: LfA, A. Kaltofen

Truhe sanft

Das Bild zeigt eine große dunkle Truhe aus breiten Brettern. Die Beine sind ebenfalls aus breiten Brettern. Vorn ist ein ovales Schloss angebracht.
Foto: BLM, Th. Goldschmid

Herkunft: Tanagra, Griechenland
Datierung: 13. Jh. v. Chr.
Leihgeber: Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Das Bild zeigt eine Art kleine helle Steintruhe mit klobigen Beinen und ohne Deckel. Sie ist mit einer hellbraunen Farbe bemalt und hat verschiedene geometrische Muster und zwei größere figürliche Darstellungen mittig.
Foto: smac / LfA, A. Blasko

Herkunft: Lüneburger Heide, Niedersachsen (?)
Datierung: Mitte 14. Jh.
Leihgeber: Privatbesitz Karl Heinrich von Stülpnagel

Nicht nur Vorräte werden gelagert. Auch für Kleidung, Schriftstücke oder Wertgegenstände wird Platz benötigt. Lange Zeit ist die Truhe das bevorzugte Möbelstück zum Lagern persönlicher Habseligkeiten. Der Begriff „hohe Kante“, ursprünglich ein seitliches Bord, das besondere Kostbarkeiten erhöht statt in den Tiefen mittelalterlicher Truhen verwahrt, erinnert daran.
Eine gängige Bauform ist die gotische Stollentruhe. Nicht die Seitenwände, sondern die massiven Eckpfosten oder „Stollen“ sind hier tragende Elemente. Die markante Konstruktion erlaubt denn auch den technischen Vergleich zweier unabhängiger Handwerkstraditionen, vom 14. nachchristlichen zum 13. vorchristlichen Jahrhundert.
Als larnax bezeichnet man im alten Griechenland nicht nur Holzkisten, sondern auch kleine Keramiksärge. Heute geben solche Knochenkisten einen wichtigen Hinweis auf nicht erhaltene Holzmöbel: Die Betonung der Eckpfosten passt nämlich überhaupt nicht zu Keramik als Werkstoff – wohl aber zu mittelalterlichen Vergleichen und zum Arbeiten mit Holz.

Das Bild zeigt eine kleine, einfache Holzkiste mit einer simplen floralen Bemalung. Es ist aufgeklappt und enthält mehrere Gegenstände, die man nicht näher bestimmen kann.
Foto: Annelie Blasko

Herkunft: Großschönau, Sachsen
Datierung: frühes 19. Jh.
Leihgeber: Privatbesitz Michel

Aus dem Schatzkästchen geplaudert

Besonders wertvoller Besitz wie Schmuck oder auch Kosmetik wird seit der Antike in Kästchen oder Büchsen, sogenannten „Pyxiden“, aufbewahrt. Diese können aus Elfenbein, Metall, Holz oder Alabaster sein und sind oft aufwendig verziert. Sie werden zu besonderen Anlässen verschenkt und später sogar mit ins Grab gegeben.

Ebenso kann bis heute ein geschätztes Kästchen über Generationen hinweg vererbt werden – und dabei auch zum „Schatzkästchen“ eines Kindes werden, das noch der übernächsten Generation eine Geschichte zu erzählen hat.

Normaler Vorrat oder Krisenmanagement?

Das Bild zeigt eien braunen Schrank mit Regalen darin. Auf den Regalen stehen viele Einmachgläser. Man sieht Bohnen, Möhren, Gewürzgurken, Mais und Kraut in den Gläsern. Es sind sehr viele bunte Farben zu sehen.
Foto: Ray Shrewsberry, von Pixabay

In Zeiten von Corona und anderen Krisen wollen viele Haushalte auf der sicheren Seite sein und sich einen kleinen Vorrat zuhause anlegen. Unsere Bundesregierung empfiehlt in ihrem „Ratgeber zur Notfallvorsorge“ jedem Burger stets einen Nahrungsmittelvorrat für einen Zeitraum von 14 Tagen im Haus zu haben. Als sogenannter „Notvorrat“gelten alle Lebensmittel, die im Notall die Versorgung mit den erforderlichen Kalorien als auch wichtigen Nährstoffen sicherstellen. Die wichtigsten Punkte die es zu beachten gilt sind Kalorien, Wasser, Protein (Eiweiße), Fette und Vitamine.

Für einen Zweipersonenhaushalt benötigt man für 14 Tage beispielsweise 1 kg Nudeln, 500 g Reis, knapp 2 kg Haferflocken und fast 4 kg Brot (Knäcke- und Vollkornbrot). Aber auch Konserven gehören in einen Notvorrat, so beispielsweise 1,5 kg Bohnen, fast 1 kg Mais und Mandarinen sowie 300 g Thunfisch. Am wichtigsten ist jedoch die Versorgung mit ausreichend Wasser. Hier wird eine Menge von 56 l empfohlen, wenn man auf 14 Tage 1,5 l pro Person trinkt und de Rest für das Kochen verwendet.

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