Neben Schutz und Wärme ist das Lagern eine weitere Grundfunktion des Wohnens. Vor 450.000 Jahren beginnen nicht-sesshafte Gemeinschaften, Nahrung und andere Rohstoffe in Basislager „nach Hause“ zu bringen. Mit Beginn des Ackerbaus vor 11.500 Jahren setzt auch die echte Lagerhaltung ein. Durch ein festes Zuhause war es nun möglich, Lebensmittel und Saatgut durch die Jahreszeiten hinweg aufzubewahren. Ebenfalls können nun Werkzeuge und Arbeitsmittel angefertigt und gelagert werden.
Neben dem Nützlichen werden auch Dinge mit persönlicher Bedeutung für den Besitzer aufgehoben. Wenn ein Einzelner mehr besitzt als andere, führt das zu sozialer Ungleichheit und Konflikten. Somit ist das Lagern Segen und Fluch zugleich.
Herkunft: Gisa, Ägypten
Datierung: 2500–2350 v. Chr., Altes Reich, 5. Dynastie
Leihgeber: Ägyptisches Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig
Gruben und Speicherbauten sichern die Getreideernte nicht nur als Nahrung, sondern auch für die nächste Aussaat. Eine kluge Vorratshaltung hilft, lange Winter oder schlechte Ernten zu überleben.
Im alten Ägypten gehört Getreide zu den Grundnahrungsmitteln. Nach der Ernte wird es in großen Silos gelagert. In der hierarchisch organisierten Gesellschaft der Ägypter wird die Ernte zentral verwaltet. Im Modell eines Getreidespeichers ist der Innenraum daher in den eigentlichen Speicher und einen Buchhaltungsbereich unterteilt.
Auch im Jenseits braucht es gute Versorgung. Der Priester Djascha hat daher die Figur eines kornspeichernden Dieners mit ins Grab bekommen.
Dieses Stück erscheint in der Ausstellung nur im Bild.
Herkunft: Theben, Ägypten
Datierung: 1981–1975 v. Chr., Mittleres Reich, 12. Dynastie
Durch Vorratshaltung konnten unsere Vorfahren auch längere Krisen und Dürrejahre überstehen. Gleichzeitig zieht sie aber auch Schädlinge an, die Vorräte vernichten und Krankheiten übertragen. Daher wurden bereits im alten Ägypten Haustiere wie Katzen zur Schädlingsbekämpfung gehalten. Ob die Erfindung der Mehrfach-Mausefalle nötig wird, weil sich die Nager so rasant vermehren oder weil die Hauskatzen zunehmend fauler werden, muss offenbleiben.
Herkunft: Berlin
Datierung: um 1900
Leihgeber: Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen
Die Idee, Lebensmittel in luftdicht verschlossenen Gläsern einzukochen, trägt dem Konditor Nicolas Appert 1810 einen von Napoleon vergebenen Preis ein: Haltbare Lebensmittel sollen die Armee ernähren, ohne plündern zu müssen. Ausgerechnet ein Brite, Peter Durand, überlegt sich allerdings schon im selben Jahr, dass man zum Konservieren auch unzerbrechliche Blechkanister nutzen kann. Mit der Erfindung der Konservendose revolutioniert er die Vorratshaltung.
Ebenfalls einen militärischen Hintergrund hat eine aufschlussreiche Sammlung von Konservendosen aus Schloss Colditz. Das dort 1939 eingerichtete Oflag IVC, ein Kriegsgefangenenlager für Offiziere der Westalliierten, wird durch gewagte Fluchtversuche bekannt. Die in Fluchttunneln gefundenen Dosen belegen die gute Versorgung der Gefangenen.
Herkunft: Schloss Colditz, Sachsen
Datierung: 1943
Leihgeber: Landesamt für Archäologie Sachsen
Herkunft: Tanagra, Griechenland
Datierung: 13. Jh. v. Chr.
Leihgeber: Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Herkunft: Lüneburger Heide, Niedersachsen (?)
Datierung: Mitte 14. Jh.
Leihgeber: Privatbesitz Karl Heinrich von Stülpnagel
Nicht nur Vorräte werden gelagert. Auch für Kleidung, Schriftstücke oder Wertgegenstände wird Platz benötigt. Lange Zeit ist die Truhe das bevorzugte Möbelstück zum Lagern persönlicher Habseligkeiten. Der Begriff „hohe Kante“, ursprünglich ein seitliches Bord, das besondere Kostbarkeiten erhöht statt in den Tiefen mittelalterlicher Truhen verwahrt, erinnert daran.
Eine gängige Bauform ist die gotische Stollentruhe. Nicht die Seitenwände, sondern die massiven Eckpfosten oder „Stollen“ sind hier tragende Elemente. Die markante Konstruktion erlaubt denn auch den technischen Vergleich zweier unabhängiger Handwerkstraditionen, vom 14. nachchristlichen zum 13. vorchristlichen Jahrhundert.
Als larnax bezeichnet man im alten Griechenland nicht nur Holzkisten, sondern auch kleine Keramiksärge. Heute geben solche Knochenkisten einen wichtigen Hinweis auf nicht erhaltene Holzmöbel: Die Betonung der Eckpfosten passt nämlich überhaupt nicht zu Keramik als Werkstoff – wohl aber zu mittelalterlichen Vergleichen und zum Arbeiten mit Holz.
Herkunft: Großschönau, Sachsen
Datierung: frühes 19. Jh.
Leihgeber: Privatbesitz Michel
Besonders wertvoller Besitz wie Schmuck oder auch Kosmetik wird seit der Antike in Kästchen oder Büchsen, sogenannten „Pyxiden“, aufbewahrt. Diese können aus Elfenbein, Metall, Holz oder Alabaster sein und sind oft aufwendig verziert. Sie werden zu besonderen Anlässen verschenkt und später sogar mit ins Grab gegeben.
Ebenso kann bis heute ein geschätztes Kästchen über Generationen hinweg vererbt werden – und dabei auch zum „Schatzkästchen“ eines Kindes werden, das noch der übernächsten Generation eine Geschichte zu erzählen hat.
In Zeiten von Corona und anderen Krisen wollen viele Haushalte auf der sicheren Seite sein und sich einen kleinen Vorrat zuhause anlegen. Unsere Bundesregierung empfiehlt in ihrem „Ratgeber zur Notfallvorsorge“ jedem Burger stets einen Nahrungsmittelvorrat für einen Zeitraum von 14 Tagen im Haus zu haben. Als sogenannter „Notvorrat“gelten alle Lebensmittel, die im Notall die Versorgung mit den erforderlichen Kalorien als auch wichtigen Nährstoffen sicherstellen. Die wichtigsten Punkte die es zu beachten gilt sind Kalorien, Wasser, Protein (Eiweiße), Fette und Vitamine.
Für einen Zweipersonenhaushalt benötigt man für 14 Tage beispielsweise 1 kg Nudeln, 500 g Reis, knapp 2 kg Haferflocken und fast 4 kg Brot (Knäcke- und Vollkornbrot). Aber auch Konserven gehören in einen Notvorrat, so beispielsweise 1,5 kg Bohnen, fast 1 kg Mais und Mandarinen sowie 300 g Thunfisch. Am wichtigsten ist jedoch die Versorgung mit ausreichend Wasser. Hier wird eine Menge von 56 l empfohlen, wenn man auf 14 Tage 1,5 l pro Person trinkt und de Rest für das Kochen verwendet.
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