Früheste Funde von prähistorischen Schlafstätten – Matten aus Schilf, in die insektenabwehrende Blätter eingewoben waren – stammen aus Südafrika und sind etwa 222.000 Jahre alt. Seit der Mensch die Bäume verlassen hat, ist er aufgrund seiner körperlichen Beschaffenheit dazu gezwungen, auf dem Boden zu schlafen. Obwohl Feuer und Rauch dabei helfen, wilde Tiere fernzuhalten, bleibt der neue Schlafplatz gefährlich. Um die lebenswichtige Erhohlung zu bekommen, wird der menschliche Schlaf im Laufe der Evolution kürzer und effizienter. Vor allem die Tiefschlafphase verstärkt sich und verschafft den modernen Menschen einen geistigen und kreativen Vorteil gegenüber anderen Arten.
Im Schlaf werden Erlebnisse verarbeitet, Gewebe erneuert und Reserven aufgefüllt. Entsprechend viele Varianten an Schlafgewohnheiten und Schlafstellen gibt es. In der Sicherheit der eigenen vier Wände und in einem eigenen Bett schläft es sich am besten. Das Bett als Schlafstelle ist aber keinesfalls für alle eine Selbstverständlichkeit, die längste Zeit haben die Menschen auf dem Boden geschlafen und tun es zum Teil noch heute.
Bett und Kopfstütze sind Nachbauten.
Herkunft: Theben, Ägypten (Vorlage) /
Sachsen (Nachbau)
Datierung: 2. Hälfte 14. Jh. v. Chr.,
Neues Reich, 18. Dynastie (Vorlage) /
2005 (Nachbau)
Leihgeber: Ägyptisches Museum - Georg
Steindorff - der Universität Leipzig
Herkunft: Qubbet el-Hawa
Assuan, Ägypten (Vorlage) / Leipzig,
Sachsen (Nachbau)
Datierung: 2350-2200 v. Chr.,
Altes Reich, 6. Dynastie (Vorlage) /
2005 (Nachbau)
Leihgeber: Ägyptisches Museum - Georg
Steindorff - der Universität Leipzig,
Sogar ein Reiseklappbett fand sich als Meisterwerk ägyptischer Schreinerkunst im Grab des Tutanchamun, aus dem auch die Vorlage für ein einfacheres Bett stammt, auf dem man in der Ausstellung probeliegen kann. Anders als erwartet soll das vermeintliche „Kopfteil“ antiker ägyptischer Betten in Wirklichkeit als Fußstütze ein Abrutschen verhindern. Außerdem sind hier häufig Verzierungen wie Einlagen aus Elfenbein angebracht.
Beispiele solcher Möbelzier vom Fundort Kerma belegen, dass ägyptische Wohnkultur in Nubien bereits geschätzt wird, bevor die Pharaonen die Region erobern. Die nilpferdköpfige Taweret, mit blankem Messer den Schlaf hütend, ist sogar eine ägyptische Gottheit. Aber wie der Sekretär und andere Vertreter der einheimischen Tierwelt stammt die Schnitzerei aus nubischer Produktion.
Übernommen werden auch die Kopfstützen, die anstelle eines Kissens den Kopf der Schlafenden halten. Sie sind für viele Länder Afrikas und des Alten Orients typisch, wobei die frühesten Beispiele ägyptisch sind und aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. stammen. Im heißen Klima ermöglichen sie Luftzirkulation am Kopf und schonen zudem die Frisur. Für Bequemlichkeit sorgte eine nicht erhaltene Umwicklung mit Stoff und Leder – zumindest bei Seitenschläfern, für die die Stützen wohl gedacht sind.
Herkunft: Kerma, Sudan
Datierung: um 1750–1580 v. Chr.
Leihgeber: Ägyptisches Museum — Georg Steindorff— der Universität Leipzig
Damit ein Möbel archäologisch erhalten bleibt, müssen die Umstände günstig sein: Vielleicht wird ein kostbares Stück mit dem Besitzer bestattet oder es gerät unter der Erde in eine seltene holzerhaltende Umgebung. Bei diesen drei Betten aus der Merowingerzeit ist gleich beides der Fall – unterschiedlich sind hingegen die Anpassungen, die ein Schlafmöbel zur Totenliege machen.
Auf der Liege aus dem Knabengrab unter dem Kölner Dom ruhte vielleicht ein junger Prinz, allerdings mitsamt dem Bettkasten direkt auf dem Boden. Bei einem Stuhl aus dem gleichen Grab ist erkennbar, dass die Beine des zu Lebzeiten benutzten Möbels abgesägt wurden, um es der niedrigen Grabkammer anzupassen. Wurde auch am Bett die Säge angesetzt?
Eine Ergänzung für das Grab zeigt dagegen das mit Zirkelschlägen verzierte Stollenbett aus Lauchheim: Die Giebelbretter verwandeln das Schlafmöbel in ein kleines Totenhaus. Die Bauweise mit „Stollen“ kennen wir übrigens auch von mittelalterlichen Truhen, beispielsweise in unserer Vorratskammer.
Elemente beider Stücke bringt ein Totenbett aus dem Gräberfeld von Oberflacht zusammen, wo hohes Grundwasser für herausragende Holzerhaltung sorgt. Aus Köln kennen wir die Verzierung mit den auffälligen sanduhrförmigen „Docken“ (walzenförmiges Holzstück) und gedrechselten Stangen. Und wie ein „Firstbalken“ liegt eine solche Stange auf Giebelbrettern, die an den Lauchheimer Fund erinnern. Hier kann sich im Leben niemand mehr schlafen legen.
Alle drei Betten zeigen wir in Nachbauten.
Herkunft: Köln, Nordrhein-Westfalen
Datierung: um 540 n. Chr.
Leihgeber: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte
Herkunft: Lauchheim, Baden-Württemberg
Datierung: um 700
Leihgeber: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Konstanz
Herkunft: Oberflacht, Baden-Württemberg
Datierung: 6.–7. Jh. n. Chr.
Leihgeber: Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte
Alleine oder bestenfalls zu zweit zu schlafen ist in vielen Zeiten und Regionen eher die Ausnahme als die Norm. Im europäischen Mittelalter etwa ist die große Halle einer Burg Schlafsaal für alle, die beheizbare Kemenate (Wohnstube) mit Schlafmöbel aber dem Burgherrn vorbehalten. In der Frühneuzeit finden Betten dann erheblich weitere Verbreitung: Ein Chronist notiert die Altmännerklage, stets mit einem „guten runden Scheit unter dem Kopf“ geschlafen zu haben, während nun jeder Bauer mehrere Federbetten besitze. Betten stehen dennoch weiter in gemeinschaftlich genutzten Räumen und werden oft geteilt. Erst im 17. und 18. Jahrhundert setzt sich im Bürgertum die Idee des Schlafzimmers als privatem Rückzugsort durch.
Der Endpunkt dieser Entwicklung lässt sich im stilistisch einheitlich durchmöblierten Schlafzimmer sehen. Ein Beispiel bieten die Miniaturen von Richard Riemerschmieds Schlafzimmer Modell 67. Gefertigt wurde dies in den Deutschen Werkstätten Hellerau, die besonders für die ab 1906 vorgestellten „Maschinenmöbel“ bekannt sind. In Serie gefertigt, lassen diese sich zerlegt und platzsparend transportieren – ein bis heute vertrauter Ansatz.
Und doch ist im beginnenden 20. Jahrhundert in den Industriestädten, wo Wohnraum knapp und teuer ist, ein eigenes Bett noch keine Selbstverständlichkeit. Die Schichtarbeit ermöglicht es Familien, Schlafstellen stundenweise an sogenannte Schlafburschen oder -mädchen zu vermieten. Oft teilen sich mehrere Personen abwechselnd ein Bett.
Herkunft: München, Bayern (Entwurf) / Dresden-Hellerau, Sachsen (Ausführung)
Datierung: 1912 (Entwurf) / 1914 (Ausführung)
Leihgeber: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kunstgewerbemuseum.
Mehrsitzige gepolsterte Möbel mit Lehnen, die ebenso zum Sitzen wie zum Liegen einladen, kommen Ende des 16. Jahrhunderts als Luxus für den Adel auf. In die bürgerlichen Salons ziehen Chaiselongue und Recamière dann mit der Antikenbegeisterung des späten 17. und 18. Jahrhunderts ein. Tatsächlich haben sie denn auch einen prominenten antiken Vorläufer:
Als die Griechen im 7. Jahrhundert v. Chr. die vorderasiatische Sitte übernehmen, bei Festen liegend zu speisen, wird die Kline zum wichtigsten Möbel im Privathaus. Vor allem im repräsentativen andron, wo Hausherr und männliche Gäste beim Symposion gemeinschaftlich essen, trinken und die gehobene Unterhaltung pflegen.
Passend zu ihrer Verwendung zeigt die vom Maler Makron verzierte Trinkschale ein solches Symposion.
Mit Girlanden geschmückte Holzklinen werden durch Decken und Kissen noch komfortabler. Dass die Beistelltische dreibeinig sind, verrät uns die wechselnde Vorder- und Seitenansicht der Löwentatzen.
Dieselbe Tischform erkennen wir in einer etruskischen Bronzefigur, einem Räucherständer, der einst Wohlgeruch verbreitete. Zudem deutet der auf dem Tisch tanzende und die Klapper schlagende Jüngling an, wie feierlich es werden kann. Etrusker und Römer übernehmen die Kline von den Griechen, passen ihren Gebrauch aber den eigenen Gewohnheiten an.
Dabei schätzen die Römer Klinen von der griechischen Insel Delos für ihren hochwertigen Bronzeguss und Silberschmuck so sehr, dass in Rom selbst Imitationen hergestellt werden.
Während der Ursprung des Wortes für die Kline ebenso wie bei der heutigen Couch auf das Liegen verweist (von griech. klinein bzw. frz. coucher), unterliegt die heute noch – wie im Foto zu sehen auch in unserer Ausstellung – diskutierte Frage „Sitzen oder Liegen?“ im antiken Griechenland sozialen Regeln, die die Tonfigur eines Symposiumsgastes und einer Leierspielerin andeutet: Das bequeme Hinlegen ist den männlichen Mitgliedern der Oberschicht vorbehalten, sitzen müssen rechtlich, wirtschaftlich und sozial schlechter gestellte Menschen – beispielsweise Frauen.
Tiere mit im Bett vs. Keine Tiere im Bett
Boxspringbett vs. Normaler Lattenrost
Fenster auf vs. Fenster zu
Fernseher beim Einschlafen vs. Keine Elektronik im Bett
Entspannungsgeräusche vs. Absolute Stille
mit Socken schlafen vs. Ohne Socken schlafen
Nur ein Wecker vs. Mehrere Wecker zur Sicherheit
| Name | Verwendung | Laufzeit |
|---|---|---|
| privacylayer | Statusvereinbarung Cookie-Hinweis | 1 Jahr |
| Name | Verwendung | Laufzeit |
|---|---|---|
| _pk_id | Matomo | 13 Monate |
| _pk_ref | Matomo | 6 Monate |
| _pk_ses | Matomo | 30 Minuten |
| _pk_cvar | Matomo | 30 Minuten |
| _pk_hsr | Matomo | 30 Minuten |
| _pk_testcookie | Matomo | Ende der Sitzung |
| Name | Verwendung | Laufzeit |
|---|---|---|
| youtube | Youtube Video Einbindung |