Sich zu schmücken ist ein menschliches Grundbedürfnis. Menschen verschönern aber nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Zuhause. Jeder will schön wohnen – ohne den praktischen Nutzen zu vernachlässigen. Putz, Kacheln und Fliesen dienen in erster Linie der Wärme- und Feuchtigkeitsdämmung - doch schon jungsteinzeitliche Lehmwände sind kaum auf diese praktischen Aspekte beschränkt. In der Antike zeigen Wandmalereien und Bodenmosaike Wohlstand an und dienen repräsentativen Zwecken. Die Vergangenheit war bunter als gedacht.
Dekorative Innenausstattung ist auch in der Neuzeit ein Anhaltspunkt für gesellschaftliche Normen: Im späten 17. Jahrhundert werden in Frankreich Vorhänge, Tapeten und Polster darauf abgestimmt, ein harmonisches Ganzes zu bilden. Ob das Aufstellen von Nippes dazu beiträgt, „schöner zu wohnen“, ist Geschmackssache.
Die plastisch geformt weibliche Brust gehört zur ältesten Wandmalerei nördlich der Alpen. Durch einen Brand gehärtet überdauert der Wandlehm fast
6000 Jahre unter Wasser, bevor erste Stücke im Strandbad entdeckt werden. Forschungstaucher folgen schnell, aber die Rekonstruktion sieben großformatiger Frauenfiguren auf 7–9 m Wandlänge wird über zwei Jahrzehnte dauern.
Auch wenn das Wandbild einem Kult- oder Gemeinschaftshaus zugewiesen wird, erinnern uns die ungewöhnlichen Umstände dieses bemerkenswerten Fundes daran, was in Wohnhäusern wohl oft verloren ist. Zum Glück deuten Ziermotive auf Tongefäßen auch in frühen Zeiten ein mögliches Spektrum von Wandornamenten an.
Weit weniger selten sind römische Mosaikfunde, in Deutschland vor allem in Trier und Umland – kein Wunder, dient das frühere Augusta Treverorum doch ab 292 n. Chr. wiederholt als Residenzstadt für römische Kaiser. Das hat auch Einfluss auf die Wohnkultur privater Haushalte. Gleich mehrere Mosaike aus Trier zeigen Musen. Manchmal darf eine dieser Schutzgöttinnen der Künste auch ganz weich gepolstert sitzen. So verdeutlicht das Motiv nicht nur die Bildung des Hausherren, sondern auch die Verfeinerung der Lebensart im Wohnen – zu der das farbenfrohe Mosaik ja auch direkt beiträgt.
Herkunft: Bodman-Ludwigshafen, Baden-Württemberg
Datierung: 3867–3861 v. Chr., neolithisch, Pfyner Kultur
Leihgeber: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg
Herkunft: Trier, Rheinland-Pfalz
Datierung: 2. Hälfte 4. Jh. n. Chr.,
römisch-kaiserzeitlich
Leihgeber: Rheinisches Landesmuseum Trier – GDKE, TH. Zühmer
Ihre große Blüte hat die „Bildwirkerei“ in Mittelalter und Renaissance – auch dieser gängige Begriff für die Herstellung bildverzierter Wandteppiche kommt aus dem Mittelalter. Bevor Kunstdrucke und Poster an den Wänden modern werden, verbinden Wandteppiche aber noch im 19. und 20. Jahrhundert dämmende und dekorative Wirkung.
Auch im Motiv des röhrenden Hirsches lässt sich ein mittelalterlicher Bezug sehen; es steht für das soziale Prestige, das die fürstliche Jagd mit sich bringt. Inzwischen gilt es als allerdings eher als Synonym für Kitsch in der Kunst und steht für kleinbürgerlichen Zimmerschmuck. Der Übergang von der Zeitlosigkeit zum Kitsch ist offenbar fließend.
Herkunft: Lichtenstein, Sachsen
Datierung: 1934
Leihgeber: Museum für Sächsische Volkskunst,
Staatliche Kunstsammlungen
Dresden
Nach der Eroberung durch Alexander den Großen entsteht in Ägypten eine multikulturelle Gesellschaft aus Ägyptern, Orientalen, Griechen, Juden und später Römern. Vielgestaltige Tonfiguren, die sogenannten „Fayum-Terrakotten“, sind ein Ausdruck der Vermischung diverser Einflüsse. Meist haben die Darstellungen religiöse Bedeutung, manche Stücke erscheinen eher als Spielzeug – oder schlicht als Nippes. So auch das Hündchen auf dem reich verzierten Sofa mit Seiten- und Rückenlehnen, das leider einen Couchgenossen verloren hat.
Die besonders für die römische Zeit typische Hunderasse, die sogenannten maltesischen Hunde
mit stehenden Ohren, zotteligem Fell und gerolltem Schwanz (keine engere Verwandtschaft zu den heutigen Maltesern), ist noch klarer in der Figur eines Hundepaars erkennbar – ebenso wie ein eher derber Humor.
Und auch viel später scheint der Hund des Menschen dekorativster Freund zu bleiben: Als sogenannte Kaminhunde sind ursprünglich aus England stammende Porzellanfiguren in den Wohnzimmern des 19. Jahrhundert verbreitet. Angeblich sind sie in den Rotlichtvierteln der Hafenstädte besonders beliebt. Die Blickrichtung der Hunde gibt Auskunft darüber, ob die Prostituierten ihre Dienste anbieten.
Herkunft: Fayum, Ägypten
Datierung: 1.–3. Jh. n. Chr., römisch-kaiserzeitlich
Leihgeber: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Herkunft: Fayum, Ägypten (?)
Datierung: 3. Jh. v. Chr. – 3. Jh. n. Chr., ptolemäisch–römisch-kaiserzeitlich
Leihgeber: Staatliche Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Herkunft: Staffordshire, Vereinigtes Königreich
Datierung: um 1900
Leihgeber: Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen,
Wir haben eingeladen, besonders „geschmackvolle“ Beispiele häuslichen Dekors in bildlicher Form mit den Ausstellungsbesucher:innen und dem smac zu teilen. Das positive Echo freut uns sehr – nochmals herzlichen Dank an alle „Leihgeber:innen“!
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