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7/8Mit allen Wasserngewaschen

Frisches Wasser ist für Mensch und Haus wichtig - nicht zuletzt, um schmutziges Wasser und Fäkalien zu entsorgen. Schon in der Jungsteinzeit kommt sauberes Trinkwasser aus Brunnen. Den Griechen und Römern sind persönliche Hygiene und öffentliche Badekultur wichtig.
Mit dem Aufstieg der Städte ab dem 12. Jahrhundert blüht das Badewesen trotz schlechter Infrastruktur für Trink- und Abwasser wieder auf. Öffentliche Bäder kommen dann aber als Krankheitsschleuder in Verruf und „übermäßiges“ Waschen ist sehr lang verpönt. Mit der Industrialisierung wächst die Stadtbevölkerung rasant, die Folge sind schlechte Lebensbedingungen und Seuchen. Mit einer Kanalisation sowie einer umfassenden Trinkwasserversorgung wirkt man entgegen. Erst im Verlauf des 20. Jahrhundert gehört ein eigenes Bad zur standardmäßigen Wohnausstattung.

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Bad & Kultur

Neben der öffentlichen Badekultur der Antike ist auch die häusliche Hygiene wichtig: Louteria sind im antiken Griechenland Wasserbecken auf hohem Standfuß für die Körperpflege. Die Bemalung eines Mischgefäßes für Wein zeigt drei Frauen an einem Louterion. Neben der linken Frau ist ein Strigilis abgebildet. Das ist ein Hautschaber, mit dem Schmutz von der eingeölten Haut entfernt wird. Zwischen ihr und der zweiten nackten Frau, die eine Haarbinde hält, hängt ein Salbölfläschchen. Die bekleidete Frau rechts blickt in einen Handspiegel, der auf Sinn und Zweck der Reinlichkeit verweist: KAAH ist „(die) Schöne“.
„Jedem Deutschen wöchentlich sein Bad!“ ist hingegen der Werbeslogan, unter dem Karl Louis Krauß die sogenannte Volksbadewanne vertreibt. Ab 1890 produziert er in Schwarzenberg Badewannen aus feuerverzinktem Blech, die platzsparend, verräumbar und günstig einen breiten Markt bedienten. Die Wellenbadeschaukel als Variation spiegelt einen bis in die 1930er populären Trend wider. Zunächst wird in Krauß‘schen Wannen quer geschaukelt, das Patent für das Längsschaukeln hält ein Berliner Klempner. Unser Beispiel ist also ein sächsisches Wellenbad zweiter Generation.

Auf dem Bild sieht man ein Gefäß. Es ist aus Keramik und hat eine braun-orangene Farbe. Auf dem Körper des Gefäßes ist eine Zeichnung zu sehen. Sie zeigt drei Frauen, die um ein griechisches Wasserbecken stehen. Die mittlere und linke Frau sind nackt. Die Frau auf der rechten Seite hat ein Gewand an und blickt in einen Handsppiegel. Auf der breiteren Oberseite des Gefäßes sieht man gezeichnete Tiere.
SKD, Skulpturensammlung, H.-P. Klut / E. Estel
Das Bild zeigt eine metallene Badewanne. Die im rechten Bereich nach oben abgewinkelt ist und so eine Möglichkeit zum Sitzen bietet. Unten an der Wanne ist ein Holzteil befestigt, das an beiden Wannenende abgeflacht ist.
Foto: smac / LfA, L. Frenzel

Herkunft: Attika, Griechenland
Datierung: 440-430 v. Chr., attisch rotfigurig
Leihgeber: Skulpturensammlung,
Staatliche Kunstsammlungen Dresden,
 

Herkunft: Schwarzenberg, Sachsen (Herstellungsort) / Großrückerswalde, Sachsen (Gebrauchsort)
Datierung: um 1920
Leihgeber: Industriemuseum Chemnitz im Sächsischen Industriemuseum
 

Fließend Wasser?

Ohne Wasser kein Wohnen. Auch wenn Siedlungen meist in Gewässernähe angelegt werden, gibt es Brunnen für die Versorgung mit Trinkwasser bereits in der Zeit der frühesten Bauern Mitteleuropas. Einige der spannendsten Stücke seiner Dauerausstellung verdankt das smac den besonders häufigen Funden von bandkeramischen Brunnen in Sachsen. 

Das Bild zeigt einen metallenen Wolfskopf, der einen Ausguss in Form eines Kehrblechs im Maul hält. Der Hals ist nur angedeutet. Die Details wie Haare, Augen und Nase sind fein herausgearbeitet. Das Metall ist an vielen Stellen grünlich angelaufen.
Foto: GDKE / Rheinisches Landesmuseum Trier, Th. Zühmer

Dieses Stück ist eine Replik.
Herkunft: Trier, Rheinland-Pfalz (Original)
Datierung: 2. Jh. n. Chr., römisch- kaiserzeitlich (Original)
Leihgeber: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Fließendes Wasser ist freilich ein ganz anderer Luxus: Ein (oft nicht beachtetes) römisches Verwaltungshandbuch rät, Wasserverteiler so zu bauen, dass bei fallendem Pegel Privathäuser zuerst und öffentliche Brunnen zuletzt abgeschnitten werden. Wasserspeier ohne Sperrventil wie der naheliegend benannte „Wolfsrachen“ deuten auf Laufbrunnen hin, wahrscheinlich in Gärten, und damit auf eine üppige Versorgung. Tatsächlich hätte die römische Wasserleitung von der Ruwer nach Augusta Treverorum den Trinkwasserbedarf des heutigen Trier decken können. 
In vielen Teilen der Welt ist ein Wasseranschluss bis heute keine Selbstverständlichkeit – bis vor eher kurzer Zeit auch hierzulande: Richtig freudig klingt der Spruch auf einem emaillierten Spritzblech mit Jugendstil-Elementen. Es schützt die Wand hinter einem Wasserhahn.
 

Das Bild zeigt eine weiße Emailleplatte mit einer langen rechteckigen Aussparung unten in der Mitte. Auf der Platte steht der Spruch „Klar und hell sprudelt der Quell“ in verzierten Buchstaben. Die Platte hat oben zwei Schraublöcher und ist mit eingeprägten Ornamenten verziert.
Foto: SMB, Museum Europäischer Kulturen, M. Mohr

Herkunft: Deutschland
Datierung: um 1910, Jugendstil
Leihgeber: Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen

Ziehen!

Ein banal wirkendes Objekt verrät uns viel über Schwierigkeiten bei der Einführung heute selbstverständlicher „Kulturgüter“: Denn im späten 19. Jahrhundert scheint es noch nicht selbsterklärend zu sein, worum es sich handelt, sodass eine Bedienungsanleitung direkt angebracht wird. Die flächendeckende Einführung des Wasserklosetts – und damit auch des Spülgriffs aus Porzellan – erfolgte erst ab 1900.
Die Abkürzung WC vom englischen water closet gibt einen Hinweis auf den Ursprung der bahnbrechenden Erfindung, die dem Briten Sir John Harington zugeschrieben wird. Dieser installiert 1596 das erste neuzeitliche Klosett mit Wasserspülung und Spülkasten in seinem Haus. Zu seinen Kunden zählt sogar Königin Elisabeth I., seine Patentante, doch gerät seine Erfindung wieder in Vergessenheit. Erst zwei Jahrhunderte später wird das Wasserklosett patentiert.
Patente Lösungen hat man auch so parat: Der mit Rosen verzierte Nachttopf stammt aus einer ehemaligen Posthalterei in Naumburg. Berühmt-berüchtigt ist er dadurch, dass angeblich drei historische Persönlichkeiten auf ihm ihr Geschäft verrichteten: Napoleon, Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Prinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I.

 

Das Bild zeigt einen länglichen Gegenstand der nach unten hin wie ein Bienenstock geformt ist. Er ist stark verwittert und hat Rostspuren. In Jugendstillettern mit Verzierung ist das Wort „ZIEHEN“ zu lesen.
Foto: LfA / smac, A. Blasko

Herkunft: Leipzig, Sachsen
Datierung: Mitte 19. – Mitte 20. Jh., neuzeitlich
Leihgeber: Landesamt für Archäologie Sachsen

 

Das Bild zeigt eine Tasse aus Porzellan mit einem Henkel auf der rechten Seite. Dieser Henkel ist gold verziert. Auf dem Körper der Tasse sind Rosen und andere bunte Blumen zu sehen.
Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Herkunft: Meißen, Sachsen (Herstellungsort)
Datierung: um 1780
Leihgeber: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Das Bild zeigt drei Briefmarken. 1. Das Bild zeigt eine Briefmarke mit einer Illustration auf grünem Grund. Ein kleines Mädchen steht vor einer hölzernen Waschwanne auf einem Tisch und hält ein weißes Kleidungsstück in beiden Händen. Über dem Mädchen kann man lesen: Seifenschuppen „Forelle“ wäscht von selbst und schnelle“. Unter dem Mädchen kann man lesen: „Gebr. Harr, Nagold“. 2. Das Bild zeigt eine Briefmarke mit einer Illustration auf dunklem Grund. Ganz oben steht „Reibnit“. Darunter sieht man eine schwarze Schachtel, auf der ebenfalls Reibnit steht, sowie „Ludwig Küntzelmann Dresden Gegr. 1716“. Darunter steht „Sauerstoff-Waschmittel“. 3. Das Bild zeigt eine Briefmarke mit einer Illustration auf dunkelblauem Grund. Ganz oben steht „Sunlicht Seife“. Darunter sieht man zwei Frauen beim Wäscheaufhängen auf eine Leine draußen. Eine beugt sich über eine Wäschewanne, die andere befestigt gerade ein großes Tuch. Hinter einem großen Tuch in der Mitte sieht man die Schatten von einem Mann und einer Frau, die sich zueinander beugen und fast küssen. Rechts unten sind vier Gänse zu sehen. Ganz unten steht: „An den Tag bringt es die Sonne. Mit Sunlicht waschen – das ist Wonne!“
Scans: Industriemuseum Chemnitz, C. Hütcher

Porentief rein

Bis in das 20. Jahrhundert hinein ist die häusliche Textilreinigung von Hand körperliche Schwerstarbeit. Nicht umsonst verabredet man sich in Familie oder Hausgemeinschaft für den regelmäßigen Waschtag und verbindet so die Mühe zumindest mit Geselligkeit.
Frühe Waschmaschinen sind das Ende solcher Treffen, übernehmen die Arbeit aber meist nur teilweise. So bewegt die Kugelwaschmaschine der Marke Scando, die sich gegen Bottich- und Trommelwaschmaschinen letztlich nicht durchsetzt, zwar mit ihrem elektrischen Antrieb die Wäsche, kann aber weder schleudern noch das Wasser erhitzen.
Trotzdem bringen solche Geräte eine enorme Erleichterung für die Hausfrau – oder würden dies, wenn nicht zur selben Zeit die Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln Hausfrauen als Zielgruppe ihrer Marketingkampagnen entdeckten. Reklamemarken propagieren höhere Hygienestandards, die durch häufigeres Waschen erreicht werden. 

Herkunft: Nagold, Baden-Württemberg (Herstellungsort) / Mannheim, Baden-Württemberg (Herstellungsort) / Dresden, Sachsen (Herstellungsort) / Dresden, Sachsen
Datierung: um 1910
Leihgeber: Industriemuseum Chemnitz im Sächsischen Industriemuseum

Herkunft: Berlin (Herstellungsort)
Datierung: um 1930
Leihgeber: Industriemuseum Chemnitz im Sächsischen Industriemuseum

Das Bild zeigt einen großen braunen Kugelgegenstand in einem Metallständer mit drei Beinen. An den Beinen sind Rollen befestigt. Unter der Kugel ist eine mechanische Vorrichtung angebracht. Rechts unten sieht man ein zusammengerolltes Kabel. Von der Vorrichtung geht ein großer Lederriemen in einer Schiene längs über die Kugel nach oben.
Foto: Industriemuseum Chemnitz, M. Kaiser

Fehlende Lebenszeit

Toilettenpapier knüllen oder fein säuberlich falten? Zweilagig oder sollten es noch mehr Lagen sein? Handy mit auf die Toilette nehmen oder lieber Ruhe genießen? Jeder Mensch hat andere Gewohntheiten auf dem eigentlichen Stillen Örtchen. Es ist Zeit, die genutzt werden muss, denn immerhin verbringt jeder Mensch drei Jahre seines Lebens auf der Toilette. Es ist zwar nicht (mehr ganz so) verpönt zu sagen, dass man „mal muss“, trotzdem umschreiben wir den Vorgang gern. Hier sind unsere Leblingssynonyme:

  1. Sanitär entspannen.
  2. Der Keramikabteilung einen Besuch abstatten.
  3. Das große Latrinum machen gehen.
  4. Ich bin kurz dort, wo der Kaiser zu Fuß hingeht.
  5. Kurz die Nase pudern.
  6. Ein Gesetz nach Paragraf W-C verabschieden gehen.
  7. Ich habe gleich ein Meeting mit Herren Villeroy und Boch.
  8. Eine Biopause einlegen.
Auf dem Bild ist ein Teil eines Badezimmers zu sehen. Links sieht man eine weiße Dusche. Rechts daneben ist eine Toilette mit einer Pflanze darauf. Auf dem Boden liegt ein brauner Teppich. Auf der rechten Seite sieht man einen Mülleimer und Teile eines Waschbeckens.
Foto: 99.films, Unsplash

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